Gäste der Norddeutschen Philharmonie sind im November der französische Trompetenvirtuose Romaine Leleu und der italienische Dirigent Marco Angius
Das 3. Philharmonische Konzert der Norddeutschen Philharmonie Rostock würdigt das Schaffen von Dmitri Schostakowitsch (1906-1975), eines der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts, dem die Musikwelt 2025 zum 50. Todestag ein Gedenkjahr gewidmet hat. Zwei Werke des berühmten Meisters werden im November-Konzert von der Norddeutschen Philharmonie unter Leitung des deutsch-französische Dirigent Julien Salemkour zu Gehör gebracht.
Der Auftakt ist von melodischer Eleganz, energievoll, brillant. Die Festliche Ouvertüre op. 96 schrieb Dmitri Schostakowitsch im Jahr 1954. Das Bolschoi Theater hatte ihn um ein festliches Werk zu den Feierlichkeiten anlässlich des 37. Jahrestages der Oktoberrevolution gebeten. Nur drei Tage hatte der Komponist Zeit, um das Stück zu schreiben. Die festliche Ouvertüre mit der Blechbläserfanfare zu Beginn wurde eines der populärsten Orchesterwerke von Dmitri Schostakowitsch.
Ein Komponistenleben in ständiger Angst vor Stalins Willkür
Im zweiten Teil des Abends erklingt die 15. Sinfonie A-Dur op.141 von Dmitri Schostakowitsch, die dieser schon schwerkrank 1971 in Repino, einem Vorort von Sankt Petersburg komponierte. Sohn Maxim bezeichnete die letzte Sinfonie seines Vaters als „Autobiografie von der Geburt bis zum Tod“, weil sie dessen schweres, wechselvolles Schicksal widerspiegele. Dazu bedient sich der Komponist zahlreicher musikalischer Motive von Giacchino Rossini und Richard Wagner sowie Themen aus eigenen, früheren Werken. Angekündigt hatte Dmitri Schostakowitsch sein Werk übermütig: „Ich möchte eine fröhliche Sinfonie schreiben.“ Doch das Humorvolle wird oft bis ins Groteske verzerrt und so richtig fröhlich klingt das komplexe Werk nicht. Zu sehr war sein Leben nach „Formalismus“- und „Volksfremdheit“-Vorwürfen von ständiger Angst vor Stalins Willkür geprägt. Zwar galt er nach seiner fünften Sinfonie offiziell als rehabilitiert und komponierte mit der „Leningrader Sinfonie“ (Nr. 7) ein Werk, das zum Symbol für den Widerstand gegen den Faschismus wurde. Doch schon 1948 traf ihn erneut der Bannstrahl der sowjetischen Kulturideologie. Schostakowitsch wählte daraufhin den Weg in die innere Emigration. Seine wahren Gefühle lassen sich aus seinen Werken lesen. Einige konnten erst nach Stalins Tod (1953) aufgeführt werden.
Dmitri Schostakowitsch hinterließ ein umfangreiches Oeuvre mit 15 Sinfonien, Instrumentalkonzerten, Bühnenwerken, Filmmusiken, Vokalwerken sowie Klavier- und Kammermusik. Seine 15 Streichquartette, ein gewichtiges Gegenstück zu den Sinfonien, gehören zu den kammermusikalischen Hauptwerken des 20. Jahrhunderts.
Konzert für Trompete und Orchester Es-Dur von Joseph Haydn
Auch beim 3. Philharmonischen Konzert steht in dieser Saison erneut ein Soloinstrument im Mittelpunkt: die Trompete. Der international gefeierte französische Trompetenvirtuose Romain Leleu wird das Konzert für Trompete und Orchester Es-Dur von Joseph Haydn (1732-1809) gemeinsam mit dem Rostocker Orchester interpretieren.
Haydns Trompetenkonzert Es-Dur ist eines der berühmtesten Werke für dieses Instrument. Es wurde 1796 für den Trompeter Anton Weidinger geschrieben, der eine neue Art von Trompete mit Ventilen entwickelt hatte. Diese Neuerung ermöglichte es, die Trompete viel melodischer und vielseitiger einzusetzen. Das Konzert besteht aus drei Sätzen und beeindruckt mit strahlenden Melodien und virtuosen Passagen.
Anette Pröber
Termine 3. Philharmonisches Konzert im Großen Haus am 16. und 17. November um 18.00 Uhr und am 18. November um 19.30 Uhr. Jeweils 30 Minuten vor Konzertbeginn findet eine Einführung statt. Am Dienstagabend nach dem Konzert lädt das Orchester zur Philharmonischen Lounge ein.
Fotos:
Foto: Norddeutsche Philharmonie. Quelle: Thomas Ulrich
Dirigent Marco Angius. Quelle: M. Busacca
Trompetenvirtuose Romain Leleu. Quelle: Jean-Baptiste-Millot.
Musikalische Friedensbotschaft mit Silvesterkonzert
Es ist auch in Rostock eine gute Tradition, das alte Jahr mit Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 9 zu beenden. Damit folgt die Norddeutsche Philharmonie Rostock unter Leitung ihres Chefdirigenten Marcus Bosch einer mehr als 100 Jahre alten Tradition aus Leipzig. Dort erklang dieses Werk mit dem Gewandhausorchester unter Arthur Nikisch am späten Silvesterabend 1918, um pünktlich mit dem Schlusschor über Schillers Ode „An die Freude“ das neue Jahr 1919 zu begrüßen und eine musikalische Friedensbotschaft zu senden. Seitdem wird das Werk in vielen Städten und Ländern am Jahresende aufgeführt.
In Rostock wird Beethovens berühmtes Werk im Großen Haus am 29. und 30. Dezember jeweils um 19.30 Uhr erklingen. Am 31. Dezember gibt es Aufführungen um 15.00 und um 18.00 Uhr im Großen Haus des Volkstheaters.
Die Konzerte bestreiten die Norddeutschen Philharmonie Rostock unter Leitung von Marcus Bosch, der Opernchor des Volkstheaters, die Singakademie Rostock e.V. sowie die Solisten Leah Gordon (Sopran), Kirsten Scott (Mezzosopran), Adam Sanchez (Tenor) und Grzegorz Sobczak (Bariton). Die Chorleitung hat Csaba Grünfelder und die Studienleitung Hans-Christoph Borck, die musikalische Einstudierung liegt in den Händen von Danyil Ilkiv und Ralph Zedler.


