Den großartigen Abschluss des 6. Philharmonischen Konzertes im Rostocker Großen Haus bildet die Sinfonie Nr. 6 „Pathétique“ in h-Moll (op.74) von Peter Tschakowsky. Es ist sein letztes Werk. Es wurde neun Tage vor seinem überraschenden Tod unter seiner Leitung in St. Petersburg uraufgeführt. Für ihn war es das persönlichste und wichtigste Werk, das ein gesamtes Leben mit Zuversicht, Hoffnung, Tatendrang, Liebe, Enttäuschung bis hin zu Verzweiflung und Tod emotional umfasst. Es endet mit einem langsamen Schlusssatz, der für Sinfonien ungewöhnlich ist und dadurch stark an ein Requiem erinnert. Die Sinfonie „Pathétique“ gibt Musikfreunden bis heute Rätsel auf.
Brasilianisches Flair verspricht das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 des brasilianischen Komponisten Mozart Camargo Guarnieri (1907-1993). Als Sohn eines italienischen Einwanderers besuchte er das Konservatorium in São Paulo und begann eine Klavierausbildung. Er befasste sich intensiv mit der brasilianischen Folklore und erhielt als Auszeichnung für eines seiner ersten Werke eine Studienreise nach Paris. Danach arbeitete er einige Zeit in den USA, bevor er nach Brasilien zurückkehrte und am Konservatorium und später an der Universität von São Paulo unterrichtete und das Hochschulorchester gründete. In seiner Heimat errang er als Komponist hohes Ansehen.
Aus São Paulo stammt auch der Solist des Abends Fabio Martino (geb. 1988), der das dynamische und klanggewaltige Klavierkonzert des Komponisten Camargo Guarnieri zu Gehör bringt. Für ihn sei Camargo Guarnieri ein „genialer Komponist“, der Einflüsse der europäischen und nordamerikanischen Musiktradition mit den Rhythmen und der Melodik Brasiliens verbinde.
Fabio Martino lebt seit 2008 in Deutschland und entdeckte ebenfalls bereits als Kind die Faszination des Klavierspiels. Seine Motivation sei immer die Neugier auf Musik gewesen. Diese habe ihn gleichermaßen zu Beethoven, Schumann und Brahms geführt wie auch zu weniger bekannten Komponisten wie Medtner oder Bortkiewicz. „Es ist faszinierend, aus unterschiedlichen musikalischen Welten zu schöpfen, ihre Essenzen aufzunehmen und ihre jeweiligen Botschaften und Bedeutungen zu entdecken“, betonte der Musiker vorab in einem Interview.
Das Repertoire ist dementsprechend umfangreich, reicht von großen romantischen Klavierkonzerten bis hin zu Ersteinspielungen zeitgenössischer Musik. Seit 2021 bildet er zudem mit dem Geiger Alejandro Aldana ein festes Duo, das sich der Kammermusik verschrieben hat, immer auf der Suche nach ungewöhnlichen Formaten und überraschenden Programmen. Seine Leidenschaft für die Musik überzeugte auch Marcus Bosch, der ihn für das gemeinsame Konzert mit der Norddeutschen Philharmonie nach Rostock holte. Fabio Martino freut sich auf sein Debüt in Rostock und auf ein Wiedersehen mit Marcus Bosch sowie auf die „tolle Energie, die beim gemeinsamen Musizieren mit dem Orchester entsteht.“
Termine: 6. Philharmonische Konzert im Großen Haus des Volkstheaters Rostock am 1. März und am 2. März um 18.00 Uhr sowie am 3. März um 19.30 Uhr. Jeweils eine halbe Stunde vor Konzertbeginn findet eine Einführung in das Konzert statt. Am Dienstag nach dem Konzert lädt das Orchester zur Philharmonischen Lounge ein.
Fotos: Pianist Fabio Martino + Marcus Bosch